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Homophober Hass in Nigeria

Homophober Hass in Nigeria Lebendig verbrannt oder begraben, zu Tode gefoltert: Die Mob-Gewalt gegen Homosexuelle nimmt massiv zu

ms - 26.11.2024 - 15:00 Uhr
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Die Hexenjagd auf schwule Männer nimmt in Nigeria immer mehr an Radikalität und Grausamkeit zu – im jüngsten Fall wurden vier junge schwule Männer halbnackt durch die Innenstadt von Benin City von einem mordlüsternen Mob gejagt. Ihr Vergehen: Die Männer sollen sich in einem Auto „unanständig homosexuell“ verhalten haben. 

Lynchjustiz ohne Konsequenzen 

Bereits im letzten Jahr sorgte eine Razzia bei einer angeblichen Schwulenhochzeit für internationale Schlagzeilen, seit diesem Jahr versuchen die Behörden zusammen mit der Kirche, die letzten digitalen Kontaktmöglichkeiten von Homosexuellen zu eliminieren. Die Polizei greift nach Auskunft der Los Angeles Blade niemals ein, sie lässt Lynchjustiz an Homosexuellen ungestraft zu. 

Die vier jungen Männer im jüngsten Fall entkamen nur knapp in ihren Boxershorts bekleidet aus der Stadt, versehen mit der Warnung, dass man sie umbringen würde, sollten sie jemals nach Benin City zurückkehren. Ihr Hab und Gut mussten die Männer zurücklassen. Einer der vier wurde bewusstlos geschlagen und konnte später aus einer Polizeizelle flüchten. 

555 Morde an Homosexuellen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bestätigte unlängst, dass es in Nigeria zu einer regelrechten „Epidemie der Mob-Gewalt“ komme. Binnen der letzten zehn Jahre wurden mindestens 555 Homosexuelle von gewalttätigen Mobs ermordet – die wahrscheinliche Zahl dürfte noch einmal viel höher sein. Der größte Teil der Opfer wird dabei lebendig verbrannt, andere lebendig begraben oder direkt zu Tode gefoltert. 

Der nigerianische Schwulenaktivist Samson Mikel sagte dem Blade, dass homosexuelle Menschen in Benin City immer mehr zum Sündenbock für alles gemacht werden, was nicht funktioniert im Land. Die Stadt werde dabei immer rückständiger und habe sich inzwischen zu einer „Brutstätte für Betrüger und andere Verbrecher“ entwickelt.

„Die Menschen sind stolz auf ihre Gefühlsrohheit, sie kümmern sich nie um tatsächliche Verbrechen oder darum, wie die Regierung sie systematisch verarmen lässt, dafür zünden sie schwule Männer an, sobald sie sie finden. Homosexuelle wollen eigentlich einfach nur leben und Liebe erfahren. Sie sind nicht die Ursache für den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes und auch nicht der Grund dafür, warum es auf den Straßen Nigerias keine Arbeitsplätze mehr gibt.“ 

Mob-Gewalt als Kampf gegen Unmoral

Ähnlich bewertet die Lage auch Amnesty International, wie der Nigeria-Beauftragte der Menschenrechtsorganisation, Isa Sanusi, bestätigte: „Die Bedrohung durch Mob-Gewalt ist höchstwahrscheinlich eine der größten Bedrohungen für das Recht auf Leben in Nigeria. Die Tatsache, dass diese Morde seit langem stattfinden und nur wenige Fälle untersucht und strafrechtlich verfolgt werden, unterstreicht das schockierende Versagen der Behörden, ihre Verpflichtung, Menschen vor Schaden und Gewalt zu schützen, aufrechtzuerhalten und zu erfüllen.“

Homosexualität ist in Nigeria nach wie vor illegal, es drohen Haftstrafen von bis zu 14 Jahren. Die Regierung arbeitet seit geraumer Zeit sogar an einer Verschärfung der geltenden Gesetze. Im muslimisch geprägten Norden Nigerias wird nach der Scharia Homosexualität mit dem Tod bestraft. Mit immer neuen Verbotsgesetzen wie jenen gegen die gleichgeschlechtliche Ehe legitimiert die Regierung die Lynchjustiz gegen Schwule im Land noch weiter – niemand muss rechtliche Konsequenzen befürchten. Laut einer  Pew-Research-Umfrage befürworten auch 87 Prozent der Nigerianer das Vorgehen; Mob-Angriffe werden nicht als Verbrechen bewertet, sondern als Methoden, um so gegen Lasterhaftigkeit, Unmoral und Korruption vorzugehen. 

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